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Video - Praktische Videoarbeit mit Kindern und Jugendlichen Beschreibung Der Mythos vom Fernsehen als Fenster zur Welt Lieber Video in der Hand als Film im Kopf: Eine Geschichte vom Anderen Video Praktische Videoarbeit mit Kindern Praktische Videoarbeit mit Jugendlichen Video in der Schule Vorwort Anfangs der 80er Jahre hat unsere videopädagogische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in einem vergammelten Keller seinen Anfang genommen. Eine Gruppe von Elf- bis Vierzehnjährigen begann mit einer einfachen Videoausrüstung und dem im Keller herumliegenden Trödel, allerlei Utensilien, Kleidungsstücken, Brettern und Papier "Fernsehen zu spielen". Wir waren damals vier an Videopädagogik interessierte Erwachsene, die nun erleben konnten, wie Kinder ihre Film- und Fernseherlebnisse unmittelbar und spontan mit Video ausdrückten, direkter als dies in Gesprächen möglich ist. Unsere systematisch festgehaltenen Beobachtungen verdichteten sich über die Jahre immer mehr zur Gewissheit, dass Kinder und auch Jugendliche im Nachspielen von typischen Film- und Fernsehmustern ihre eigene "Fernsehvideosprache" entwickeln. Mit Improvisationstalent setzen sie ihre Einfälle gegen die überwältigende technische Perfektion des Erwachsenenfernsehens: In einer Büroszene dient eine leere Plastikflasche als Telefonhörer und in einer Mordszene wird eine Taschenlampe zu einem Hammer. Unerwartet kreuzen sich Zeitabläufe und Handlungsstränge, am selben Ort finden die unterschiedlichsten Szenen statt - ohne aufwendige Kulissen und Dekors. Praktische Videoarbeit erwies sich als eine geeignete Methode, Kinder und Jugendliche auf lustvolle Weise an eine Auseinandersetzung mit Fernsehkultur heranzuführen. Dieses Buch vermittelt Animatorinnen und Animatoren, Lehrerinnen und Lehrern, Kulturschaffenden und in der Jugendarbeit Tätigen Einstiegsmöglichkeiten oder weiterführende Impulse zur Durchführung eigener Projekte. Die praktischen Erfahrungsberichte in den Kapiteln 'Kindervideo', 'Videoarbeit mit Jugendlichen' und 'Video in der Schule' bieten Ideen und methodische Anregungen, die sich zum Teil überschneiden oder ergänzen. Die Beispiele in 'Kindervideo' kommen aus unserer 'Projektstelle für Videoanimation' in Zürich, diejenigen im Jugend- und im Schulkapitel aus verwandten Projekten in Berlin, New York und London. Praktische Videoarbeit mit Kindern und Jugendlichen fordert die beteiligten Erwachsenen heraus. Wie schön wäre doch die Vorstellung, Kinder würden mit Video ihre reale Umgebung darstellen und ihre eigenen, fernsehunabhängigen Fantasien ausdrücken. Stattdessen fantasieren sie von Mord und Totschlag, Sport und Unterhaltungsquiz, Abenteuerserien und Musikvideos. Sollten wir Erwachsene da nicht steuernd eingreifen und die Kinder von der Darstellung von Gewalt wegführen und dämpfend auf ihren Fernsehkonsum einwirken? Aber wie steht es mit unserem eigenen Medienkonsum - nie Lust auf leichte Unterhaltung, Krimis und Sportsendungen? Kinder und Jugendliche ahnen intuitiv, wie wir Erwachsenen mit Medien umgehen, welche Programme wir bevorzugen und welche wir ablehnen. Wenn wir unsere persönliche Einstellung den Medien gegenüber ehrlich reflektieren und auch der Frage nachgehen, wie wir selbst mit den Medien aufgewachsen sind und von ihnen beeinflusst wurden, zeigen sich auch Kinder und Jugendliche bereit, ungeschminkt über ihren Umgang mit Medien zu reden. Dieses Videobuch ist deshalb mehr als ein praktischer Leitfaden. Hier werden auch Fragen der Mediensozialisation, der internationalen Medienentwicklung und der alternativen Videoarbeit aufgegriffen, um den LeserInnen Orientierungshilfen in der schnell sich verändernden Medienwelt zu vermitteln. So kann eine eigene fundierte Position im Umgang mit Medien, vor allem mit dem Fernsehen, erarbeitet werden, eine notwendige Voraussetzung für die praktische Videoarbeit mit Kindern und Jugendlichen. Wir selber stehen der Expansion vom internationalen Mediengeschäft zwiespältig gegenüber: Einerseits befürchten wir, dass kommunale und regionale Medienkulturen mit grosser Wahrscheinlichkeit immer mehr vereinheitlicht werden und dadurch verarmen. Andererseits können wir uns der kommunikationstechnologischen Entwicklung nicht einfach entziehen, als würde sie uns nichts angehen. Wenn wir uns an der öffentlichen Diskussion um die Ausgestaltung der Medienlandschaft beteiligen, können wir Gegenstrategien und eigene Vorstellungen entwickeln, um mit Fernsehen und Video neue Formen dialogischer Kommunikation und des persönlichen kreativen Ausdrucks zu finden. Wir sind deshalb der Meinung, dass die Fähigkeit zum fantasievollen praktischen Umgang mit Bildern und Tönen nicht nur bei Kindern und Jugendlichen sondern auch bei uns Erwachsenen viel stärker als bis anhin gefördert werden sollte. Nur so kann das Recht auf freie Meinungsäusserung im elektronischen Zeitalter mehr sein als ein blosser Anspruch. Wir hoffen, dass sich die LeserInnen von der frischen und unbekümmerten Weise, wie Kinder und Jugendliche ihre eigene Videosprache entdecken, inspirieren lassen, und auch selbst einmal eine Kamera in die Hand nehmen. Margrit Bürer und Heinz Nigg Wir danken für Kritik und Anregungen: Barbara Bürer, Arnold Fröhlich, Cornelia Jacomet, Rolf Käppeli, Christin Koelble, Matthias Loretan, Urs Meier, Peter Morf, Peter Roth, Christian Schmid, Markus Sieber, Dominik Siegrist und Kristin Wirthensohn. Die Auseinandersetzung mit Mario Erdheim, Lukas Hartmann, Beatrice Michel Leuthold und Brigitte Weisshaupt über Medienentwicklung war spannend. Merci! Unsere langjährige Projektarbeit mit Kindern und Jugendlichen haben mitgetragen: Peter Gruber, Sandra Jorio, Christin Koelble, Elsbeth Kuchen, Jürg Obrist und Kuno Schuler. Dank Eurer Inspiration und Mitarbeit konnten wir auch die Durststrecken überwinden. Die Finanzierung dieses Buchs haben ermöglicht: Präsidialabteilung und Sozialamt der Stadt Zürich, Pro Juventute, Kirchenrat des Kanton Zürich, Fonds für gemeinnützige Zwecke des Kanton Zürich, Migros-Genossenschafts-Bund, Bundesamt für Kulturpflege und Stiftung Landis & Gyr. |
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