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Roadworks
Multimediale Inszenierung einer Nachdichtung des Romans 'Unterwegs' von Jack Kerouac
Lesestück
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ZWEITER TEIL: CRASH! DER WAGEN MIT RAUCHENDEM MOTOR
Allmachtsphantasien zerbrechen an den Schwierigkeiten des Alltags, Frau stellt den Mann, Konflikt, Trennung. Mann macht sich aus dem Staub.
Ausstieg aus dem multlimedial gestalteten Erzählfluss, der Konflikt zwischen Camille und Dean wird durch reine Theater- und Performanceszenen
in nüchternem Licht zum Ausdruck gebracht. Pausen und sich ausbreitende Stille. Bild und Ton kommen aus realen Requisiten (Radio, Fernsehmonitor).
1. Bild (2 Min. 30 Sek.)
Sal ohne seine Freunde unterwegs. Allein in Denver. Seine Einsamkeit und Isolation: Ich bin nur ich selbst.
Sehnsucht nach dem "unbeschwerten" Alltagsleben der Schwarzen. Er kommt nicht zurecht mit seiner Existenz als freischwebender Schriftsteller.
Stimmung:
Einsamkeit, Isolation, poetische Meditation.
Mediale Inszenierung:
Sal: das Mikrophon als Notizblock, Diktiergerät
Licht: Spot auf Sal
Ton: Geräuschperformance, einzelne Melodiefetzen
Projektion: U.a. projizierte Texte. Gegen Schluss Ausblenden der Bilder
Textprojektion:
Frühjahr 1949
Sal
Denver
Die Mitte
von Amerika
Curtis Street
Larimer Street
Erzählerin:
Sal
allein unterwegs
Niemand von seinen Freunden ist da
Er wandert in Curtis Street
und Larimer Street
herum
und arbeitet eine Zeitlang
auf dem Obstmarkt
Schleppt niesend
Kisten mit Wassermelonen
über den gefrorenen Boden
der Kühlwagen
hinaus in die glühende Sonne
Sal:
Am Abend gehe ich spazieren
Ich fühle mich wie ein Staubflecken
auf der Oberfläche
der tristen roten Erde
Ich schlendere
mit schmerzenden Muskeln
durch Denvers Schwarzen-Viertel
und wünsche
ein Schwarzer zu sein
Mir scheint
dass das Beste
was die weisse Welt mir anbietet
mir nicht genug Ekstase verschafft
Nicht genug Leben
Freude
Spass
Dunkelheit
Musik
Nicht genug Nacht
Mein ganzes Leben lang
habe ich weissen Ehrgeiz
gehabt
Darum habe ich auch so eine gute Frau
wie Terry in Los Angeles
wieder verlassen
Ich gehe an den dunklen Veranden
der Mexikaner- und Schwarzenwohnungen
vorbei
Vernehme sanfte Stimmen
Sehe gelegentlich das dämmrige Knie
eines geheimnisvollen sinnlichen Mädchens
und dunkle Männergesichter
hinter Rosenspalieren
Kleine Kinder
sitzen wie Weise
in uralten Schaukelstühlen
Eine Gruppe schwarzer Frauen
geht vorbei
und eine von ihnen kommt schnell
auf mich zu:
"Hallo Joe!"
und plötzlich sieht sie
es ist gar nicht Joe
und läuft verlegen
zu den andern Frauen zurück
Ich wünschte
Joe zu sein
Ich bin nur ich selbst
Sal
der traurig
in dieser violetten Dunkelheit
umherschlendert
Klammer auf:
Über die Liebe
Ich kann keine Frau kennenlernen
ohne mich selbst zu fragen
wie es wohl mit ihr zu leben ist
Ich möchte eine Frau heiraten
bei der ich meine Seele ausruhen kann
bis wir beide alt werden
All dies Rasendsein
und Herumjagen
kann nicht in alle Ewigkeit so weitergehen
Wir müssen zu irgendeinem Punkt gelangen
Etwas erreichen
Klammer zu
Eine Strasse weiter
ist unter Scheinwerferlicht
ein Ballspiel im Gange
Eine begeisterte Menge
brüllt bei jeder Spielaktion
Die fremden jungen Helden
aller Schattierungen
weis
schwarz
mexikanisch
indianisch
sind auf dem Spielfeld
und agieren mit grossem Ernst
Niemals in meinem Leben
habe ich mir erlaubt
vor Familien
und Freundinnen
und Kindern aus der Nachbarschaft
zu spielen
nachts
bei Beleuchtung
Immer war es
Universität
Gewertete Spiele
Nüchterne Gesichter
Keine jugendliche
menschliche
Freude
wie diese
Oh Traurigkeit der Lichter
in dieser Nacht
Der junge Ballwerfer sieht aus
wie Dean
Die hübsche Blonde
dort auf den Sitzplätzen
wie Marylou
Für mich ist es
DIE NACHT VON DENVER
Für mich gibt es
nur das eine:
Sterben
Ich muss weg
2. Bild
Licht ganzer Raum
Anfang Performance
Erzählerin:
Und da ist zuallerletzt
Camille
Camille Moriarty
Sie erinnern sich
Die Brünette im Hotelzimmer
Jetzt Ehefrau von Dean
Camille ist im dritten Monat schwanger
mit Deans zweiten Kind
Off the Road:
Aufstehen
Frühstück machen
Windeln wechseln
Brei kochen
Schoppen bereitstellen
Windeln waschen
Daumen von Dean:
verarzten
Penizillin-Schuss
(Penizillin-Nachschub organisieren!)
Mit der Strassenbahn
ab zur Arbeit
Dingelingeling!
Patienten trösten
Spritzen verabreichen
Lieb sein
vier Stunden lang
Dingelingeling!
Halbe Stunde Mittagspause
Geniessen
Im Park
Brötchen vom Stand
(lecker)
Dingelingeling!
Patienten trösten
Spritzen verabreichen
Lieb sein
Nochmal vier Stunden
Dingelingeling!
Feierabend
Mit der Strassenbahn
ab nach Hause
Dingelingeling!
Geniessen!
Auf dem Weg einkaufen
Teig, Butter, Klohpapier, Windeln!, Pelati, Milch
Nein, Milch kauft er
Reis,
Penizillin nicht vergessen!
Dingelingeling!
Strassenbahn geniessen!
Zu Hause
Katy begrüssen
Brei für sie kochen
Ein bisschen Aufräumen
Abendessen machen
Einsilbigkeit
Dann rauscht er ab
in die Nacht
Abwaschen
Katy ins Bett
Will nicht!
Liedchen singen
Will nicht!
Märchen erzählen
Endlich!
Abwaschen
Nichts vergessen?
Noch ein bisschen Les...
Aufstehen
Frühstück machen
Windeln wechseln
Brei kochen
Schoppen bereitstellen
Windeln waschen
Daumen von Dean:
verarzten
Das Telefon klingelt, Camille - gespielt von der Erzählerin - geht ran
Camille:
Ja? Camille...
Moment
zu Dean:
Marylou
Sie reicht ihm den Telephonhörer und geht
Dean (stösst nur ein oder zwei Worte in den Hörer; er knallt den Apparat nieder):
Was ist?
Lass mich in Ruhe, ich hab jetzt keine Zeit!
Die dumme Nutte!
Zu Camille
Liebling, Du darfst jetzt nicht denken...!
Camille:
Lass du mich in Ruhe!
Lass mich einfach in Ruhe!
Erzählerin:
Dean hält den Alltag
mit Camille
und seiner Tochter
nicht mehr aus
und schreibt an Sal
(der, sie erinnern sich,
in den Kühlwagen der Markthallen von Denver festsitzt)
er solle bitte dringend
nach San Francisco kommen:
"Ich will den perfekten zwei Wochen-Urlaub mit dir verbringen. Camille wird den ganzen Tag arbeiten, einschliesslich Samstag, und wir werden das Haus für uns haben."
Sal klopft
Dean:
Sal!
Umarmung
Erzählerin:
Die alte, wohlbekannte Angst befiel Camille:
Eine Zugbrücke zwischen ihr und den beiden
wird hochgezogen
und schliesst Dean und Sal in ihrer Burg des Vergnügens und Entzückens ein
während sie auf der anderen Seite verlassen sitzt
und den Graben mit ihrenTränen füllt.
Dean:
Ich hätte nicht gedacht
dass du das wirklich fertig bringst.
Nun bist Du endlich zu mir gekommen
Sal:
Alles in mir ist auseinandergefallen.
Tja!
Wie geht es dir?
Dean:
Nicht so gut, nicht so gut.
Sal:
Der Daumen?
Dean:
Steit mit Marylou.
Aber da gibt's eine Unmenge Dinge
über die wir sprechen müssen
Sal, endlich ist für uns die Zeit gekommen
zu sprechen und dabei zu einem Ergebnis zu kommen.
Also
Mensch, dieser Saxophonist gestern, der hatte ES!
Ich habe noch nie einen Kerl gesehen, der es so lange festhalten konnte
Sal:
Was soll Es sein?
Dean:
Jetzt fragst du nach den Im-pon-de-ra-bilien.
Also, da steht ein Kerl und alle sind dabei.
Camille:
Hi!
Sal:
Hi!
Dean:
Verstehst du?
Seine Aufgabe ist auszudrücken
was sie alle im Kopf haben
Er fängt an
Den ersten Chorus
Dann reiht er sie aneinander
seine Gedanken
Menschen
Ganz plötzlich
mitten im Chorus
kriegt er ES
zu fassen
Alle schauen auf
und wissen es
Er greift es auf
und führt es weiter
Die Zeit bleibt stehen
Er füllt den leeren Raum
mit der Substanz seines Lebens
Camille (kommt):
Pause
Du bist ein Lügner!
Camille geht
Sal:
Was ist los
mit Camille?
Pause
Dean:
Es wird immer schlimmer mit ihr
Sie weint
macht Szenen
und will mich nicht zu meinen Freunden
gehen lassen
Wird jedesmal böse
wenn ich mich verspäte
Und wenn ich zu Hause bleibe
spricht sie nicht zu mir
oder sagt
(Dean geht, um Camille zu beruhigen)
Camille:
Raus! Hau ab! Lass mich in Ruhe!
Sal und Dean gehen
Erzählerin:
Und sie rauschten ab in die Nacht
Endlich, endlich war das Haus still
Erzählerin packt Deans Sachen
Nach einer Weile kommen Dean und Sal, angeheitert zurück
Camille:
Ich sagte dir, du sollst gehen. Ich meinte es ernst
Und nimm deinen kostbaren Freund mit, wenn du gehst
Er ist ja alles was du willst
und euer Leben ist das einzige was dir etwas bedeutet
Was meinst du eigentlich, aus was ich gemacht bin?
Erwartest du wirklich von mir, dass ich hier Nacht für Nacht sitze
allein, Tag für Tag arbeite - nur um dein Hausmädchen zu sein?
Nein, ich hab genug! Wenn es das ist was du willst, bitte
aber mach es anderswo und lass mich in Frieden. Geh! Jetzt!
Dunkel
Performance und Tonsolo
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