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Roadworks
Multimediale Inszenierung einer Nachdichtung des Romans 'Unterwegs' von Jack Kerouac
Lesestück
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ERSTER TEIL: DER WAGEN SPRINGT AN UND KOMMT IN FAHRT
Aufbruch. Jedes der 10 Bilder spricht für sich, unterscheidet sich deutlich von den andern. Durch die Kombination aller medialen Möglichkeiten werden die verschiedensten Facetten des Unterwegsseins ausgedrückt. Die Bilder lernen laufen (Video). Vorbeisausende Telegraphenmasten, Bäume, Menschen, Städte, Ekstase, Rhythmus, Liebesfreuden, Sehnsucht nach dem ES. Aber auch Momente von Einsamkeit und Depression.
1. Bild (1Min. 30 Sek.)
Stimmung:
Es geht los, vorbeisausende Landschaften
Mediale Inszenierung:
Ton: Off-Ton
Projektion: Bewegung kommt hinzu
Licht: Spot auf Erzählerin
Erzählerin (im Hintergrund Sal und Dean):
Winter 1947
Sal unterwegs in Richtung Westen
per Anhalter
aus New York raus
nach Denver
On the Road
über Easton
Bethlehem
Allentown
Hamburg, Harrisburg, Carlisle, Bedfore, Somerset
nach Pittsburg
Dann durch Youngstown, Akron, an Cleveland vorbei
Dann Bellevue, Fremont, Perrisburg, Delta, West Unity, Howe
An Elkhart, South Bend und Michigan City vorbei
nach Chicago
Und weiter geht die Fahrt
Von Chicago nach Aurora,
Durch Hinkley, Waterman
Rock Falls, Prophetstown, Bettendorf, Davenport und Rock Island
Nach Iowa City
Bei Malcom gradeaus über Newton, Mitchellville, Altoona
Nach Des Moines
Von dort weiter durch Stuart, an Casey vorbei, durch Aidar
Links nach Atlantic, Lewis, Oakland, Council Bluffs und Omaha
Von Omaha nach Columbus, nach Gibbon, Kearny, Elm Creek, Overton Lexington, Gothenburg, Brady, Maxwell, North Platte, Hershey, Paxton, Ogallala, Big Springs,
Dann aber nicht Richtung Sterling
sondern rechts hoch, Richtung Cheyenne, über Chapell, Sidney, Potter, Pine Bluffs
Danach vorbei an Loveland
Und endlich, endlich
Denver
2. Bild (3 Min. 45 Sek.)
Sals Wiedersehen mit Dean in Denver. Dean verabschiedet sich von Camille, seiner Geliebten, und rauscht mit Sal ab in die Nacht.
Er besorgt Sal eine Frau names Rita und möchte selbst bei ihrer Schwester Mary landen.
Stimmung:
Plötzliche Ruhe nach der hektischen Reise
Ankommen, Nachhall der quietschenden Bremsen
Nacht. Dann geht's wieder los mit viel Hallo
Mediale Inszenierung:
Ein Innenraum. Figuren agieren nicht, die Action-Stimmung soll nur durch die stimmliche Gestaltung zum Ausdruck gebracht werden
Projektion: vgl. Bildscript
Ton: Off-Ton
Licht: Spots auf die Lesenden (wie 1. Bild)
Sal:
Wiedersehen mit Dean
Stehe in der Tür
zu Deans Hotelzimmer
Dean öffnet
Er ist splitternackt
Sehe eine Frau auf dem Bett
Sehe einen wunderschönen Oberschenkel
mit schwarzer Spitze bedeckt
Dean:
Menschenskind!
Sal!
You Son of a Bitch!
Hast Dich endlich aufgerafft
und die Highways
unsicher gemacht.
Also, Camille -
Das ist Sal, mein Buddy aus New York.
Erzählerin (als Camille):
Hi!
Sal:
Hi!
Dean:
Und das ist seine erste Nacht in Denver
und es ist unbedingt notwendig
das ich ihn ausführe
und ihm eine Frau besorge
Erzählerin (als Camille):
Um welche Zeit
wirst Du zurück sein?
Dean:
Es ist jetzt (er sieht auf seine Uhr)
genau ein Uhr vierzehn
Ich werde um drei Uhr vierzehn zurück sein
damit wir ein Stündchen träumen können
süss träumen
Honey
So
jetzt genau in dieser Minute
muss ich mich anziehen
ins Leben zurücksteigen
Das heisst ins Aussenleben
Strassen und so
Wie wir vereinbart haben
Es ist nun ein Uhr fünfzehn
und die Zeit
verrinnt, verrinnt
Erzählerin (als Camille):
Schön, Dean, aber bitte
komm ganz sicher
um drei Uhr zurück!
Dean:
Wie ich gesagt habe
Liebling
Und denk daran
nicht drei
sondern drei Uhr vierzehn!
Sal und Dean wechseln den Ort
Lichtwechsel
Aussenraum
Erzählerin:
Und Sie rauschen ab
in die Nacht
Sal:
Ich bin erstaunt
Alles ist so verrückt
Wir gehen durch die nächtlichen Strassen
Luft weich
Sterne schön
und die Verheissung jedes kopfsteingepflästerten
Gässchens so gross
das ich zu träumen meine
Dean:
Ja
und, Sal
ich habe genau
die richtige Frau für dich
jetzt
wenn sie nicht im Dienst ist
Eine Kellnerin
Rita
Leicht den Kopf verdreht
mit ein paar sexuellen Schwierigkeiten
von denen ich annehme
das du sie in Ordnung bringen kannst
so ein heisser Typ wie du
Schön
gehen wir sofort hin
Wir müssen Bier mitbringen
Nein
sie haben selbst was
Und verdammt noch mal!
Ich muss heute nacht unbedingt
bei ihrer Schwester Mary landen
3. Bild (2 Min. 30 Sek.)
Nacht. Sal beim Rendez-vous mit Rita
Stimmung:
Angst vor Erotik. "Gretchenszene"
Mediale Inszenierung:
Spot auf Erzählerin und Sal
Ton: -
Projektion:vgl. Bildscript
Erzählerin:
Sal beim Rendez-vous
mit Rita
der Kellnerin
Bei ihr zu Hause
Nachdem sie mit ihrer Arbeit im Restaurant
fertig geworden ist
Sal will Ritas Befürchtungen
über Männer
zerstreuen
Erzählerin
Junge Frauen und Männer in Amerika
haben so traurige Erlebnisse zusammen
Ihre angebliche Weltklugheit verlangt
dass sie sich sofort
dem Geschlechtlichen unterwerfen
ohne vorbereitende Unterhaltung
Nicht Geflirte
sondern echte Unterhaltung über Seelen
will Sal
Denn das Leben ist ihm heilig
Und jeder Augenblick kostbar
Sal:
Nach langem Gespräch
in der Dunkelheit in Ritas vorderer Stube
kriege ich sie ins Schlafzimmer
Ein Sweetheart
einfach und wahr
und vor Erotik hat sie eine fürchterliche Angst
Ich sage ihr
es sei wunderschön
und wolle ihr das beweisen
Sie lässt es mich beweisen
Aber ich bin zu ungeduldig
und beweise gar nichts
Erzählerin (als Rita) seufzt im Dunkel
Sal (zur Erzählerin):
"Was möchtest du vom Leben?"
Erzählerin (als Rita):
"Ich weiss nicht
An Tischen bedienen
und über die Runden kommen."
Sie gähnt
Sal:
Ich erkläre ihr
wie aufregend
ich das Leben finde
Und denke dabei
Denver in zwei Tagen zu verlassen:
Was Gott wohl so im Sinne hatte
als er das Leben so traurig machte
4. Bild (1 Min. 30 Sek.)
Zwischenhalt bei Carlo (Die Erzählerin stellt ihn als weiteren Protagonisten vor). Er liest aus dem Tagebuch einen Ausschnitt aus seiner Dichtung "Die Denver Depression".
Stimmung:
Ruhig, meditativ und tiefgründig
Mediale Inszenierung:
Erzählerin mit Leselicht. Carlo singt aus dem Dunkeln
Ton: fein und durchgehend
Projektion: vgl. Bildscript
Erzählerin:
Zwischenhalt bei Carlo
Carlo Marx
dem Untergrunddichter
aus New York
den es auch wie Sal
zu Dean in diese Stadt gezogen hat
Er wohnt in der Grant Street
Ein schmales Gässchen
Einige Steinstufen hinunter
Durch eine Brettertür
in eine Kellerwohnung
Der Raum eines russischen Heiligen
Ein Bett
Brennende Kerze
Steinwände
Eine verrückte zusammengebastelte Ikone
Carlo brütet
über einem riesigen Tagebuch
und liest aus seiner Dichtung
'The Denver Depression'
Carlo (aus dem Dunkel gesungen):
Beim Aufwachen
morgens
die vulgären Tauben auf der Strasse
hör ich
vor meiner Zelle tratschen
Traurige Nachtigallen
in den Zweigen nicken
Jawohl!
Und ich denke an Mutter
Eine graue Hülle fällt über die Stadt
Die Berge
die herrlichen Rockies
sind aus Papiermaché
Das Universum
ist crazy
und schielt
Und ausserordentlich
fremd
erscheint es mir
Du
Dean
bist ein Kind des Regenbogens
Kratz diesen Bubble Gum
von der Fensterscheibe weg!
5. Bild
(30 Sek.)
Sal zieht weiter und folgt seinem Stern
Stimmung:
Aus der dunklen Nachtstimmung vom 4. Bild wird es langsam wieder Tag. Das Unterwegssein und Herumziehen als Tagtraum, als Trip.
Mediale Inszenierung:
Erzählerin:
Ton: Off-Ton
Projektion: Nebelhaft verschwommene Tagtraumbilder.
Erzählerin:
Die Lokomotive der Denver- und Rio Grande-Bahn
heult in die Berge weg
Sal folgt seinem Stern
Sal:
Ich wandere in Denver herum
durch die trüben Bums-Lokale
von Curtis Street
Halbstarke in Jeans und roten Hemden
Erdnusschalen
Kinoreklamen
Schiessbuden
Jenseits der glitzernden Strasse
die Dunkelheit
und jenseits der Dunkelheit
der Westen
Ich muss weiterziehen
6. Bild (5 min)
Terry (Erzählerin) und Sal beschreiben die Reiseroute von Denver nach L.A. Sal verliebt sich unterwegs im Bus nach L.A.
in Terry. Ankunft in Hollywood. Glückliche Tage mit Terry in einem Hotelzimmer und in den Strassen von L.A.
Stimmung:
Aus der tagträumerischen Reisestimmung entwickelt sich eine zauberhafte Romanze.
Mediale Inszenierung:
Die Reise- und Liebesgeschichte wird in der Form eines bebilderten und vertonten Reisetagebuchs erzählt.
Projektion: Collagenhaft, schnappschussmässig, u.a. mit flüchtig hingekritzelten Reiseskizzen aus einem Zeichenblock, projizierter Text wie Tagebucheintragungen.
Ton: Off-Ton, Reisegeräusche, manchmal "Liebesgroove".
Die Erzählerin, Sal und Dean (im Dunkeln mit Leselampen)
klinken sich in die Reise- und Liebesgeschichte ein und aus - ein feines Über- und Ineinander.
(A) und (B) übereinander, (C) Bild und Musik
(A)
Erzählerin:
Wieder Cheyenne
Dann westlich über die Gebirgskette
Um Mitternacht:
Die Wasserscheide bei Creston
Am dämmernden Morgen
in Salt Lake City
Hundert Kilometer durch Salt Lake Dessert
und bei Einbruch der Nacht
Reno
mit seinen zwinkernden
chinesischen Strassen
Die Sierra Nevada hinauf
Föhren und Sterne
Dann bergab
in die Ebenen von Sacramento
Kalifornien!
Warme, blühende Luft
Luft, die man küssen kann
Und Palmen
Die Weite der Bucht
mit den Lichtgirlanden
der schläfrigen Stadt bekränzt:
San Francisco!
Einsetzen der Dämmerung
Eine traubenfarbige Dämmerung
Eine violette Dämmerung
über Mandarinenpflanzungen
und langen Melonenfeldern
Die Felder in der Farbe der Liebe
und spanischer Mysterien
Sal steckt seinen Kopf
zum Wagenfenster hinaus
und saugt die duftgeschwängerte Luft ein
(B)
Audiovisuelle Umsetzung der kursiv gesetzten Text-Passage
Sal:
In Bakersfield verlässt mich
mein Trämperglück
Ich kaufe eine Fahrkarte
und warte auf den Bus nach
Los Angeles
Eine Frau in langen Hosen
kreuzt meinen Blick
Ihre Augen
mit Schüchternheit im Innern
Im Bus
ihr gegenüber
lass ich mich in einen Sitz fallen
Bin einsam
traurig
müde
und fertig
Muss allen Mut zusammennehmen
Sal:
"Darf ich mich neben Sich setzen?"
Terry (Erzählerin)
"Wenn Du möchtest."
Sal.
"Wohin die Fahrt?"
Terry (Erzählerin)
"LA."
Sal:
Ich liebe die Art
wie sie 'LA' sagt
Sal:
Sal!
Terry (Erzählerin):
Terry!
Sal:
Terry
Terry (Erzählerin):
Sal:
Und dann kommen wir hinunter
zu dem grossen
unregelmässigen Lichtermeer
Wir beschliessen schweigend
ein Hotelzimmer in Los Angeles
zu nehmen
Ich liebe Liebe
sagt Terry
Ich verspreche ihr
wunderschöne Liebe
Schweigen
Süsse Gedanken der Erwartung
Phantastisches Ende von Amerika
Wir steigen an der Main Street vom Bus
Der ganze hurige Geruch
einer grossen Stadt
Das erste Hotel
hat ein Zimmer frei
Sie zieht sich die Schuhe aus
Ich küsse sie sanft
Stehe hinter ihr vor dem Spiegel
Wir tanzen im Badezimmer
und sie zieht sich ganz aus
Ihr zarter Körper schlüpft unter die Decke zu mir
Ich liebe sie in der Süsse des müden Morgens
Dann schlafen wir ein
Zwei erschöpfte
verlorene Engel
verstaut in einem Winkel von LA
Dann kam der Abschied
7. Bild (2 Min. 30 Sek.)
Einige Monate später in New York an einer Party. Das Leben ein Fest. Mit Volldampf in alle Richtungen losziehen.
Stimmung:
Drive, Taumel, Groove. Das Leben was ist ES?
Mediale Inszenierung:
Erzählerin, Sal und Dean (mit Leselicht): Die Figuren agieren nicht, die Partystimmung soll nur durch die stimmliche Gestaltung zum Ausdruck gebracht werden (wie im 2. Bild)
Ton: Off-Ton, Musik
Projektion: Bewegung, Menschengedränge, aber Partystimmung nicht 1:1 umsetzen, Spiel mit Gesichtern, Händen, Körperbewegungen (Collage)
Licht: dunkel, Leselicht
Erzählerin:
New York
Einige Monate später
Draussen wirbelt der Schnee
Eine grosse Party ist angesagt
An der 90. Strasse West
Die Parterrewohnung ist riesig
Die Leute quellen
in die Kellerräume
der nahen Heizung über
In jeder Ecke
auf jedem Bett
und auf jedem Sofa
ist etwas los
Nicht etwa eine Orgie
Nur gerade Neujahrsfestivitäten
mit viel Gekreisch
und wilder Radiomusik
Sal:
Um fünf Uhr morgens
laufen wir alle quer über den Hof
eines Wohnhauses
Und steigen durch das Fenster
in eine andere Wohnung
wo ebenfalls eine Party im Gange ist
Zu den wilden Tönen von
'The Hunt'
geblasen von Dexter Gordon
spielen Dean und ich über den Diwan hinweg
Fangen mit Marylou
Dean läuft ohne Unterhemd herum
nur in Hosen
barfuss
Bis es wieder Zeit ist
in den Wagen zu springen
und mehr Leute zu holen
Erzählerin:
Unterwegs treffen sie auf ihren Freund Rollo Greb
Ein eigenartiger Gelehrter
der imstande ist
im New Yorker Hafengebiet
mit ein paar echten Musikmanuskripten
aus dem siebzehnten Jahrhundert
im Arm
spazierenzulaufen
und vor sich hinzusingen
Sal:
Die Erregung
flackert unheimlich
aus Rollos Augen
Er verdreht in krampfhafter Ekstase
sein Genick
Er lispelt
windet
stottert
stöhnt
und heult
und fällt in Verzweiflung
Er kann kaum ein Wort herausbringen
so aufgeregt ist er
über die Tatsache
dass er lebt
Erzählerin:
Dean steht vor ihm
mit gebeugtem Haupt
und wiederholt immer und immer wieder
Ja ... Ja ... Ja ...
Er zieht Sal in eine Ecke
Dean:
Dieser Rollo Greb ist der Grösste
der Wunderbarste von allen
Das ist es
was ich dir sagen wollte
Das ist es
was ich sein will
Ich möchte sein wie er
Er lässt nie nach
Er zieht in jede Richtung los
immer mit Volldampf
Er kennt sich aus
Er braucht nur immer hin- und herzupendeln
Siehst du
wenn du immer rangehst wie er
wirst du ES endlich in der Hand haben
Sal:
Was in der Hand haben?
Dean:
Es! Es!
Ich werde es dir erklären
Jetzt haben wir keine Zeit
8. Bild (3 Min.)
In Ritzy's Bar hecken Dean und Sal eine "geschlechtliche Tour" aus: Dean möchte, dass Sal mit Dean's Freundin Marylou schläft.
Stimmung:
Eine Free Love Komödie. Verlegenheit, Grinsen und plötzlicher Ernst.
Mediale Inszenierung:
Erzählerin, Sal und Dean in angedeuteten Spielszenen
Ton: Off-Ton (Musik wie im 7. Bild) und On-Ton
Projektion: vgl. Bildscript
Erzählerin:
Dean und Sal sitzen bei Ritzy's
am Times Square
Ein Gedränge:
Junge Männer im Gangsterlook
Finstere Kerle mit Revolvern
Matrosen mit locker sitzenden Messern
Ausgemergelte Morphinisten
die unbeteiligt vor sich hinstarren
Man spürt es in der Luft
hier werden auch alle möglichen
geschlechtlichen Touren ausgeheckt
Dean:
Sal
ich möchte dich
um etwas bitten
äusserst wichtig für mich
wir sind Freunde
nicht wahr?
Sal:
Sind wir, Dean
Dean:
Ich möchte
dass Du mit
Marylou schläfst
Ich will sehen
wie Marylou
mit einem anderen Mann ist
Erzählerin:
Wieder zuhause
in Carlos Wohnung
finden sie Marylou im Bett
und sie ist erfreut
vom neuen Plan
Sal:
Ich muss beweisen
dass ich es auch wirklich schaffe
Das Bett
ist das Totenbett
eines schweren Mannes gewesen
und ist in der Mitte durchgedrückt
Erzählerin:
Marylou liegt da
Dean und Sal
schweben zu beiden Seiten
auf den hochstehenden Matratzenrändern
Sal:
Zum Teufel ich kann das nicht machen
Dean:
Los, Mensch, du hast es versprochen
Sal:
Und Marylou?
Sag, Marylou, was glaubst du?
Erzählerin (als Marylou):
Fang an!
Sal:
Sie umarmt mich
und ich versuche zu vergessen
dass der gute Dean da ist
Jedesmal
wenn er mir in den Sinn kommt
(kann ich nur noch lachen)
Es ist schrecklich!
Dean:
Wir müssen alle entspannen
Sal:
Warum gehst du nicht für eine Minute
in die Küche?
Was Dean nun auch tut
Pause, dann zu Marylou:
Wart
bis wir uns in San Francisco lieben
Jetzt ist mein Herz noch nicht dabei
Erzählerin:
Eine fremdartige Stille
herrscht in der Wohnung
Sal geht hin zu Dean
fordert ihn auf
zu Marylou zu kommen
und zieht sich auf das Sofa zurück
Sal:
Ich kann Dean hören
wie er selig ist
und plappert
und sich rasend hin- und herbewegt
Dean flehend
an den Toren der sanften Quelle
Verrückt
mit einer ganz körperlichen Erkenntnis
des Ursprungs der Lebensseligkeit
Blind
versuchend
den Weg zurückzugehen
den er gekommen ist
Erzählerin:
So versuchen
in dieser Nacht
drei Kinder dieser Erde
etwas zu erkennen und festzustellen
während all das Gewicht
von Jahrhunderten
in der Finsternis
auf ihnen lastet
9. Bild (2 Min. 15 Sek.)
Carlo mahnt seine Freunde zur Wahrhaftigkeit und weckt sie damit aus ihrem süssen Wonnetraum auf
Stimmung:
Grotesk komisch
Mediale Inszenierung:
Erzählerin: mit Leselicht
Carlo singt wieder aus dem Dunkeln
Ton: fein und durchgehend
Projektion: vgl. Bildscript
Carlo (aus dem Dunkel, gesungen):
Ich versuche nicht
euren süssen Wonnetraum zu stören
Erzählerin:
In diesen Tagen
hat Carlo eine Stimme entwickelt
von der er hofft
sie klinge wie die Stonevoice
wie er sagt
- die "Felsenstimme"
Carlo (aus dem Dunkel):
Aber es scheint mir an der Zeit
zu entscheiden
was ihr seid und was ihr tun werdet
Dean
warum hast Du Deine Frau Camille
samt deinem Kind
in Kalifornien verlassen
und Marylou geholt?
Marylou
warum ziehst du so im Land herum
und was sind deine weiblichen Absichten
im Hinblick auf das Leichenhemd?
Sal
wie kommt es
dass du so auf den Hund gekommen bist
und was hast du mit deiner Freundin Terry gemacht?
Die grimmigen Tage liegen noch vor euch
Der Ballon wird euch nicht mehr lange tragen
Und nicht nur das
Es ist ein abstrakter Ballon
Ihr werdet alle einmal mehr
fliegend nach der Westküste eilen
und zurückgestolpert kommen
euren Grabstein zu suchen
Lichtwechsel
10. Bild (3 Min. 30 Sek.)
Sal, Dean und Marylou unterwegs im alten Hudson. Das Unterwegssein als Möglichkeit, die alten Geschichten und Misstimmigkeiten hintersichzulassen, in Bewegung zu bleiben. Dean wieder in der Pose des Action Man.
Stimmung:
Euphorisch überdreht
Mediale Inszenierung
Erzählerin, Dean und Sal: nebeneinander an einem Tisch, Rap
Ton: On-Ton, plötzliche Stille
Projektion: Verrückter Mittelstreifen, langsam wechselnde Landschaften
Licht: Spot auf Erzählerin, Dean und Sal, plötzliches Black
Erzählerin:
Für alle ist es Zeit
zu gehen
Dean
mit Sal und Marylou
und Du,
Ed Dunkel
Alle:
Wir alle wir sind da
Erzählerin:
On the road
im alten Hudson
Ed Dunkel trägt 'nen Stetson
und ist freundlich wie der Uncle
aus Amerika
Dean sitzt am Steuer
Er ist im Element
Schon drückt er auf's Pedal
und das Differential
heult den Choral
bis hin zum Firmament
Sal:
Wir sind beglückt
Wir sind entzückt -
Sind wir verrückt?
Dean:
Oh yeah!
Erzählerin:
Oh yeah!
Sal:
Oh yeah oh my
Wir pennen nicht
wir brennen
und wir erkennen
Verwirrung und Unsinn
sind plötzlich dahin:
Und wir erfüllen
Dean:
Ganz ohne Hüllen
Erzählerin:
Mit lustigem Brüllen
Sal:
das Edle und Echte
das Einzige und Rechte
unserer Zeit:
Alle:
in Bewegung zu sein
Sal:
und uns zu befrein
von Schein
Erzählerin:
von Schleim
Dean:
von Pein
Sal:
und Verlogenheit
All right!
Und wie wir in Bewegung sind!
Geschwind wie der Wind
flitzen wir vorbei
an Wegweisern geheimnisvoll und weiss
und im Nu schon fern
wie ein Stern
Irgendwo in der Nacht
von New Jersey wird gelacht
Es ist heiss
und brennt in unsren Hirnen
in meinem und in Dean's
Und Marylou isst Birnen
und tropft auf ihre Jeans
Erzählerin:
Auf auf auf auf
Dean:
Auf auf auf auf auf auf auf auf
Sal:
Auf auf nach New Orleans!
Wir sitzen im Volant
Wow ist das elegant!
Und besprechen mit Vergnügen
so wild wie Kraut und Rüben
des Lebens Freud und Wonne
denn bald schon scheint die Sonne
Der Wagen kommt in Fahrt
Und Dean wird plötzlich zart:
Dean:
Nun verdammt! Seht her
Marylou und Sal:
Das Meer?
Dean:
Das Land!
Linker Hand: das Land!
Sal:
Der Strassenrand - die Wand!
Verdammt!
Dean:
Wir müssen doch samt und sonders
zugeben
dass es keinen Anlass auf der Welt gibt
sich Sorgen zu machen!
Wir wollen nicht mehr pe...
Wir wollen nicht mehr pe...
Wir wollen nicht mehr pe...
Wir wollen nicht mehr pennen
sondern klar erkennen
was es heisst zu VERSTEHN
dass wir uns ECHTE Sorgen
über GAR NICHTS machen
Das ist doch einzusehn!
Sal:
So lasst uns denn verdienen
nach tausend Serpentinen
den Besuch eines Freundes
eines Jungen mit Spleens
Downtown in New Orleans!
Dean:
Dort wolln wir:
diskutieren fabulieren
Sal:
kolportieren intrigieren
Marylou:
karikieren und glossieren
Dean:
applaudieren harmonieren
Sal:
animieren und soupieren
Marylou:
pokulieren, kopulieren
Dean:
und zu allerguterletzt
dekorieren
wer verletzt!
Erzählerin:
Wir wiegen uns im Rhythmus der Musik:
Ein Genuss
wie ein Kuss vor dem Erguss
Wie das Rollen einer Nuss
über Teak
Sal und Dean:
Wir wiegen uns im Rhythmus der Musik:
Erzählerin
Ein Genuss
wie der Verzehr einer Mousse
wie ein Kuss
Alle:
vor, nach, auf, unter, über, beim, neben
dem Erguss
Sal:
Die Reinheit der Strasse
Der weisse Strich
in der Mitte der Strasse
entrollt sich
und schmiegt sich
an unseren linken Vorderreifen
als klebte er an der Fahrbahn
Dean:
Also:
Apropos Melodien
In San Francisco werden wir zusammenziehn
Und jeden zweiten Tag
nehm ich dich in Beschlag:
Mit meiner Frau indessen
leb ich weiter angemessen
Camille wird gar nichts merken
von unsren
Feuerwerken
Marylou:
Komm, ziehen wir die Waffen
Denn wenn wir nicht erschlaffen vor dem schwierigen Beginn:
Schon sind wir mittendrin!
Sal:
Marylou und Dean
Jasmin und Rosmarin
unterm
Liebesbaldachin!
Aber warum daran denken
wenn all das goldene Land
sich ausbreitet vor dir
dem Pionier
und öffnet seine Hand
mit all seinen Geschenken
zerstreut sind die Bedenken!
Welche Freude, welch ein Glück
Sich hinzugeben diesem Leben ohne Streben und Begehr
nach Mehr
kein Blick zurück
Oh yeah!
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