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. Dominotheorien


Es klingt ein bisschen wie ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht; wunderschön, aber fern der Realität. Der Krieg in Irak, sagt George W. Bush, könne zur Initialzündung für Freiheit, Frieden und Demokratie in ganz Nahost werden, von Bagdad bis Palästina. Irak selbst soll als stabile Nachkriegs-Demokratie wie Deutschland oder Japan auferstehen, ein Staat, der seinen Bürgern die Grundrechte garantiert und in dem "alle Iraker eine Stimme in der neuen Regierung haben". Dann soll das Beispiel Schule machen in der arabischen Welt. Nichts einzuwenden gibt es gegen die Vision. Aber Bomben und Panzer als demokratische Vorhut?

Bislang haben noch alle Regierungen in Washington die autokratischen Regime Arabiens benutzt, gestärkt und beschützt, wenn das im US-Interesse lag. Das war vor allem durch den Wunsch nach einer stabilen Versorgung mit Öl gekennzeichnet. Als glaubwürdiger Anwalt für Demokratie traten die USA in der arabischen Welt hingegen nicht in Erscheinung.

Wenn Bush jetzt einen demokratischen Nahen Osten verheißt, dann mag dies auch ein Eingeständnis des Scheiterns dieser zynischen Interessenpolitik sein. An ihre Stelle aber soll nach Willen des Präsidenten die gefährliche Dominotheorie einer gewaltsamen Reform von außen treten, ausgebrütet von den Falken des Pentagon. Die Weltmacht will die politische Landkarte im Nahen Osten mit einem militärischen Befreiungsschlag neu ordnen. In der Praxis hat die "Befreiung" Mesopotamiens soeben mit dem Ausverkauf der irakischen Kurden an die strategischen Interessen der Türkei begonnen.

Dietmar Ostermann, 'Gefährliche Dominotheorie', in: Frankfurter Rundschau, 28.02.2003
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