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. Vertreter eines reichen Landes


Als Vertreter von einem reichen Land kann ich jederzeit überall hinreisen und dabei meinen Lebensstil weiterpflegen. Wenn ich allerdings über mich und andere etwas wirklich Neues erfahren will, muss ich diesen Rahmen überschreiten, muss mich anstrengen, mich mit ungewohnten Situationen konfrontieren und Leute treffen, die wirklich anders denken. Weniger Tempo beim Reisen, mir Zeit nehmen. Ich verbrachte sieben Wochen in Kairo und lernte dort interessante Künstler und Intellektuelle kennen. Zuerst dachte ich, dass sie die gleichen Probleme wie wir haben und grundsätzlich ähnlich denken. Erst mit der Zeit realisierte ich, dass sie in eine andere Welt eingebunden sind, die mir schwer verständlich ist. Mir fiel eine undefinierbare Melancholie an diesen Leuten auf, ihre Neigung zu Depressionen. Ich erklärte mir dies mit der Tatsache, dass sie Mühe hatten, eine Familie zu gründen. Sie strebten ein freieres und offeneres Familienleben an und konnten dieses Ziel nicht verwirklichen. Sie litten zudem darunter, dass es keinen öffentlichen Diskurs über ihre Arbeit gab und die freie Meinungsäusserung beschränkt war. Bei uns ist dies selbstverständlich.

Es gibt Leute, die den Sprung in ein anderes Lebensgefühl nie schaffen. Ich war einmal eine gewisse Zeit in Equador, in Quito, wo es eine grosse Gemeinde von Schweizern gibt. Die leben dort in einer Höhe von 2800 Meter wie in einem kleinen Schweizer Dorf. Sie schaffen es nicht, sich auf die einheimischen Menschen einzulassen. Sie bleiben unter sich und haben einen hohen sozialen Status, den sie in der Schweiz nie erreichen könnten. Das war wahrscheinlich mit ein Grund, weshalb sie nach Equador gezogen sind. Nach meiner Meinung haben die dort nichts zu suchen. Sie sind niemandem von Nutzen und sie erfahren nichts von den Problemen der Leute. Das interessiert sie auch nicht. Equador ist für sie eine Kulisse, vor der man sich grossartig aufspielt. Die wären eigentlich besser zu Hause geblieben.

E.K., m, *1967, Journalist, Zürich, CH
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