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Weltkonkurrenz
Alles ist unberechenbarer geworden. Es ist nicht mehr so klar, was wir selber entscheiden können und welches Einflüsse von aussen sind, denen wir einfach ausgeliefert sind. Alles ist durchlässiger geworden. Mir fällt zum Beispiel auf, dass es in Zürich viel mehr Leute aus Deutschland hat. Ich nehme das an der Sprache wahr. Dann denke ich an meinen Bruder, der im Brauerei-Gewerbe tätig ist. Fast alle Braumeister kommen aus Deutschland. Das bedeutet für ihn Konkurrenz.
Mir macht es auch Mühe, dass Druckerzeugnisse, die hier konzipiert und gestaltet werden, in Deutschland, Österreich oder irgendwo sonst auf der Welt gedruckt werden. Selber bezieht man einen hohen Schweizerlohn, aber Dienstleistungen kauft man aus dem billigeren Ausland ein.
In meinem Bereich - corporate communication - ist der Verteilungskampf auf dem Platz Zürich aber schon so gross, dass die auswärtige Konkurrenz nicht mehr eine so entscheidende Rolle spielt. Kommt dazu, dass man in meinem Beruf die hiesigen Gepflogenheiten kennen muss.
Ein anderer Effekt der Globalisierung sind die Firmenübernahmen. Eine Kommunikationsfirma für die ich als Fachjournalistin arbeite, wurde durch einen ausländischen Konzern aufgekauft. Ich beobachte, wie sich die MitarbeiterInnen manchmal wie Marionetten vorkommen. Es herrscht so ein Gefühl wie "Jetzt sind wir am Gängelband von jemandem, den man nicht sieht und nicht so genau weiss, welches seine Absichten sind."
Dies hat aber nicht nur mit der ausländischen Beteiligung zu tun. Egal wie du in einer Firma informierst, die Leute haben immer das Gefühl, sie werden zu wenig informiert, und dass die oben eh machen, was sie wollen. Und wenn du in einer Firma arbeitest, wo Gerüchte herumschwirren, dass sie verkauft wird, macht dich das nur noch unsicherer. Du lebst von Tag zu Tag und bleibst misstrauisch. Diese Stimmung wird genährt von den News rund herum - wenn du hörst, was in anderen Firmen so läuft. Warum soll es ausgerechnet bei uns anders sein?
Als Einzelfirma konzentriere ich mich deshalb aufs Kleine. Das würde ich auch unabhängig von der gegenwärtigen Wirtschaftslage machen. Ich hatte nie Ambitionen, mich auszubreiten. Positiv an der neuen Entwicklung ist die Tatsache, dass ich viel mehr mitkriege, was ausserhalb der Schweiz läuft.
A.C., w, *1959, Texterin, Zürich und Ilanz, CH
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