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. Die Menschen als handelnde Subjekte


Ob der Begriff "Kultur" als Traditionen, Normen, Werte oder Regeln definiert wird, entspringt er doch immer aus dem, was Menschen tun. Auch die sozialen Strukturen lassen sich in Bezug auf alle ihre Aspekte - soziale Position, Status, Rollen, Autorität oder Prestige - von dem ableiten, wie Menschen handelnderweise miteinander kommunizieren.

Wenn Individuen einzeln, zusammen oder als VertreterInnen von Gruppen oder Organisationen handeln, müssen sie immer das Verhalten der anderen Akteure in ihr Handlungskalkül miteinbeziehen - ob ihnen dies nun gut oder schlecht gelingt. Sie tun dies auf doppelte Weise, indem sie einerseits anderen zu verstehen geben, wie sie zu handeln haben, und andererseits, indem sie Handlungsanweisungen von anderen für ihr eigenes Handeln interpretieren.

Durch den gegenseitigen Prozess des Definierens und Interpretierens von Handlungsanweisungen auf der symbolischen Ebene der zwischenmenschlichen Kommunikation wird individuelles Handeln in der Gruppe aufeinander abgestimmt. Blendet man diese einfache Tatsache des ständigen aktiven Konstituierens von Handlungszusammenhängen von Individuen und Gruppen bei der Analyse von gesellschaftlichem Handeln aus, besteht die Gefahr, die menschliche Gesellschaft ausschliesslich mit psychologischen und soziologischen Kategorien zu begreifen. Durch die Hinwendung der Aufmerksamkeit auf die symbolische Ebene der Interaktionen zwischen Individuen und Gruppen, eröffnet sich eine komplexere und reichhaltigere Sicht auf menschliches Handeln - die Individuen werden mehr als Akteure verstanden und nicht nur als Produkt oder Opfer ihrer Umstände.

Um die Handlungsweise eines Akteurs zu verstehen, muss man seine Innensicht verstehen, das heisst die Art und Weise, wie er sein Handeln definiert und mit dem Handeln anderer Akteure abstimmt. Daraus wird ersichtlich, wie sich der Akteur in der Welt bewegt und in ihr orientiert.

Auch das Verhalten von Nationen, internationalen Organisationen, Medienapparaten und von sozialen Bewegungen kann verstanden werden als ein nie aufhörender Prozess interpretativen Interagierens zwischen Individuen und Gruppen.


Vgl. Herbert Blumer: Symbolic Interactionism. Perspective and Method. Englewood Cliff 1998 (Original 1969)
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