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. Ein dunkler Wald von Dingen


Wunderbar und schrecklich ist die Welt. Alles, was wir berühren, ist unscharf wie das Bild auf einer verschwommenen Fotografie. Wir wissen nicht, warum die Wirklichkeit eine so undurchsichtige Struktur besitzt, dass selbst die heiligen Bücher, auf die sich das Gebäude der europäischen Kultur stützt, uns keine klaren Antworten darauf geben, was es heisst, in konkreten Situationen gerecht zu handeln.
Deshalb wählen wir in schwierigen Situationen gewöhnlich ein vereinfachtes Bild der Welt, denn nur in einer schwarz-weissen Wirklichkeit sind wir fähig, Entscheidungen zu treffen und wirksam Gerechtigkeit walten zu lassen.

Deine Rede sei «ja, ja, nein, nein», sagen wir uns immer wieder. Aber die Wirklichkeit, die wir in eindeutige Worte und Entscheidungen zwängen wollen, spottet über uns, denn sie ist hundertmal komplizierter, als es uns die zwei harten Wörter versprechen. Sie besitzt wesentlich mehr Farben und Schattierungen. Es ist ein wahrhafter Wald von Dingen, verschlungen, dunkel, in dem nur ganz weit weg, im Dickicht zwischen den Bäumen, ein fernes Licht leuchtet, auf das wir zustreben. Und erfahrene Menschen sagen, dass derjenige, der zu viel sieht und zu viel weiss, ähnlich wie der, der zu wenig sieht und zu wenig weiss, leicht vom richtigen Weg abkommt und untergeht.

Stefan Chwin, polnischer Schriftsteller, 'Die niederträchtige Gerechtigkeit' in: Der Tages-Anzeiger, Dienstag, 11.2.2003, übersetzt von Renate Schmidgall
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