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Die einfachste und trotz aller Versuche der Korruption mögliche Verhaltensweise ist das transparente Darstellen der Quellenlage. Deutsche Journalisten neigen dazu, einseitige Informationen im Indikativ weiterzugeben. Wenn Washington etwas sagt, dann ist es noch längst nicht so, wie Washington es sagt. Journalisten müssen den Lesern, Zuschauern und Zuhörern die Chance geben, dies als eine Version unter vielen zu begreifen und nicht als die Wirklichkeit. Das ist die erste und einfachste Tugend des Berichterstatters. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, aber wenn es globaler wird, wenn Kulturen und politische Perspektiven zur Debatte stehen, dann fällt es offensichtlich vielen Medien schwer, diese journalistisch-handwerkliche Professionalität an den Tag zu legen.

Interviewer: Hat der Zuschauer überhaupt noch Möglichkeiten sich unabhängig zu informieren?

Er hat wenig Chancen, deshalb muss diese Frage an die Journalisten vor Ort gerichtet werden. Wenn überhaupt, haben sie die Möglichkeit sich ein differenziertes Bild zu machen. Eine andere Möglichkeit besteht in der Kooperation mit arabischen Medien und Journalisten. Solche Verbindungen zu Medien, die nach westlichen Standards Berichterstattung und nicht Propaganda betreiben, können sehr hilfreich sein, damit die Leser zumindest noch alternative Versionen bekommen. Das wäre schon einmal ein Gewinn.

Interview von Markus Reuter mit dem Medienwissenschaftler Michael Haller in: taz Nr. 6976 vom 10.2.2003
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