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Regionalkultur
Dass es in Den Haag das Tribunal gibt, um Kriegsverbrechen in aller Welt zu verfolgen, ist für mich ein wichtiger Aspekt der Globalisierung. Die humanitären Organisationen müssten noch viel mehr Gewicht erhalten. Sonst ist für mich der Begriff der Globalisierung vor allem mit Wirtschaft verbunden. Nehmen wir als Beispiel den Transport von Schafen von Sizilien zu uns. Das tangiert uns ganz konkret, weil es um wichtige ethische Fragen der Tierhaltung geht, aber auch um ökologische Fragen und um das Nord-Süd-Gefäll.
In meinem Wohnquartier gibt es eine Organisation mit dem Namen "Terre espoir", die mit Bauern in Afrika zusammenarbeitet. Bei denen gebe ich einmal pro Monat eine Bestellung auf, mit der ich direkt vom Bauer exotische Früchte geliefert bekomme. Der Zwischenhandel ist ausgeschaltet und die Bauern erhalten einen fairen Preis. Für die Bauern ist es wichtig, dass sie ihre Mangos anbauen und exportieren können; das sichert ihnen ihre Existenz. Und ich kann exotische Früchte kaufen, die ich bei unseren Grossverteilern Migros und Coop nie kaufen würde.
Aber auch da ist der Transport ein ökologisches Problem.
Wichtig ist für mich die Förderung von Regionalkultur. Ich komme aus einem Stück Welt, dem Appenzell, wo Regionalkultur gepflegt wird - auch wenn wir das Frauenstimmrecht als letzte erkämpfen mussten! Für mich ist es wichtig, einen Ort zu haben, wo ich mich verbunden fühle. Deshalb halte ich an meinem Dialekt fest, obwohl ich nicht in meinem Heimatort wohnen und alt werden möchte. Dort ist es mir zu eng. Es ist also ein Widerspruch. Neben der Sprache ist es die Tradition, die mich mit dem Appenzell verbindet. Auch heute noch berührt es mich, wenn ich einen Alpaufzug mit Sennen sehe oder einen Alpsegen höre. Das ist mir seit meiner Kindheit vertraut. In Zürich empfinde ich beim "Sechseläuten" oder beim "Knabenschiessen" nichts ähnliches.
E.N., , w, *1948, Berufsschullehrerin und Erwachsenenbildnerin, Zürich, CH
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