|
Mails > Texte lesen > PMH
Eingesandte Erinnerungstexte
VerfasserIn: PMH (Zürich).
1980 war ich schon zu alt (26), um noch aktiv in der Bewegung noch mitzutun (ausser VVs besuchen und an Demos zu gehen). Als «lost Generation» zwischen den AchtundsechzigerInnen und den Achtzigern gab uns die Bewegung aber einen Kick, der prägend auch zwanzig Jahre später noch nachwirkt. Es bewirkte im Gegensatz zum elitären und kopflastigen «1968» einen viel direkteren Politisierungsschub.
Damals war ich ein Anhänger von Jerry Rubin und Abbie Hofmann (Yippies), ihre anarchische «Do-it» Philosophie berauschte und inspirierte mich als 16-Jähriger viel mehr als die abgehobenen ML-Kurse und Kopfwixereien der Linken. 1980 schien diese «Do-it» Haltung mit dem Schlachtruf «Subito» plötzlich ein Pendant in Zentraleuropa gefunden zu haben.
Wie im Rausch wurde das wohlgeordnete zwinglianische Zürich an seinen Rändern aufgebrochen und laengerfristig in seinen Grundfesten erschüttert. Zurich «lebte» auf einmal. Wie spannend! Die kalten Krieger (Sigi Widmer und Co.) mussten bald einmal abtreten und wurden durch smarte Kulturmanager wie Wagner, Hobi und Co. ersetzt. Der Wechsel war aber nur vordergründig: Bezeichnenderweise konnnte sich Krieger Alfred Gilgen noch lange halten und wurde erst vor ein paar Jahren durch den Deregulierer Buschor ersetzt.
Bezeichnenderweise würde Gilgen heute noch alles so machen wie vor zwanzig Jahren, wie er der Öffentlichkeit kürzlich per Interview verlautbaren liess. Dieser alte Mann kann einem nur noch leid tun. Waren in Zürich 1980 der Mangel an Freiräumen das Problem, sind es heute vielleicht deren Überangebot. Es gibt wohl nur wenige Städte dieser Grösse, welche über ein so reichhaltiges kulturelles Angebot verfügen.
Das ist zwar sehr erfreulich, gibt aber doch zu denken. Frage an die heutige Jugend: welches Neuland gibt es in Zürich noch zu erobern, welche Mauern sind noch einzureissen, welche Türen zu öffnen, für was lohnt es sich noch einzustehen, zu kämpfen in dieser Stadt? Wo doch alle so happy sind?
Die Kämpfe finden heute globalisiert statt, vereinfacht gesagt zwischen dem reichen Norden und dem armen Süden, dem reichen Westen und dem armen Osten. 1980 war deshalb auch (nicht nur) die letzte Gelegenheit für einen Luxuskampf der verwöhnten Bürgerkids. Heute wird in Zürich in Massen nur noch auf Strassen - an freien Samstagen - nur noch getanzt. Wie passend.
Übersicht Texte lesen
Texte einsenden, erfassen, veröffentlichen
|
|