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Eingesandte Meinungen und Kommentare zur Publikation und zum Projekt
VerfasserIn: Thomas Riesen
Bei diesem Thema scheinen mir drei Fragen im Vordergrund zu stehen: Warum ist damals die Situation eskaliert, welchen Einfluss hatte diese Geschichte auf die heutige Zeit, und was haben wir daraus gelernt?
Bei der Ursache scheint mir eine Analyse einfach, denn Gewalt ist ein Ausdruck von Sprachlosigkeit. Einerseits wurden die Jugendlichen von den Stadtvätern nicht ernst genommen und gleichzeitig verstanden es die Jugendlichen nicht, ihre Interessen auf demokratischem Weg durchzusetzen. Das lag allerdings auch daran, dass sie keine wirkliche politische Lobby hatten. Fragwürdig war jedoch zweifelsohne das provokative Auftreten der Polizei, welches den Jugendlichen nur zwei Möglichkeiten liess: Flucht oder Steine werfen! So erstaunt es auch im nachhinein nicht, dass sich der "Polit-Frust" auf diesem Weg abgebaut hat...
Doch was haben wir daraus gelernt, wie hat sich diese Zeit auf heute ausgewirkt? Darüber kann man nur spekulieren. Meiner Ansicht nach, haben die Unruhen im positiven Sinn zur Entwicklung unserer Gesellschaft beigetragen - auch wenn alles Positive gleichzeitig seine schlechten Seiten hat. Hätten wir heute ohne diese Krawalle in fast jeder Gemeinde einen offen Jugendtreffpunkt? Ich bin überzeugt, dass dies nicht so wäre. Nach den 68-ern, welche vor allem politisch motiviert waren, hat die 80-er Bewegung darüber hinaus den Zeigefinger erhoben und deutlich darauf hingewiesen, dass es mehrere Formen von Kultur gibt. Nicht nur jene, welche den politischen Entscheidungsträgern genehm ist. So dürften die Unruhen in den 80-er Jahren auch in der Kultur und im Umgang mit ihr Spuren hinterlassen haben...
Den "Bewegten" ging es noch um mehr. Sie hatten eine andere Vorstellung von Leben. Freiheit statt Sicherheit! No future statt Zukunft! Dieses Lebensgefühl basierte jedoch nur teilweise auf Freiwilligkeit, sondern wurde den Jugendlichen durch das System aufgedrängt. Was unsere Kinder denken, haben wir ihnen beigebracht! Das gilt auch heute noch. So wurde die Gesellschaft ihre Geister nicht mehr los, die sie gerufen hatte. Durch diese Vorstellung von Lebensform gingen die Jugendlichen automatisch (und bewusst oder unbewusst?) auf Konfrontationskurs mit der Gesellschaft, weil die beiden Lebensformen nebeneinander nicht existieren konnten. Es erstaunt jedoch nicht, dass von dieser neuen Lebensform kaum etwas übriggeblieben ist. No future, unorganisierte Volksversammlungen unterschiedlicher Gruppierungen und vor allem Drogen sind keine Erfolgsstrategie. Das war absehbar! Wieso hat die Stadt nicht einfach Hand geboten und gewartet, bis das Experiment von selber scheiterte? Das wäre die bessere Strategie gewesen, als mit Polizei, Tränengas und Wasserwerfern gegen orientierungslose Jugendliche vorzugehen. In anderen Städten hat es jedenfalls funktioniert. So waren nicht nur die Jugendlichen Extremisten, sondern auch die Stadtverantwortlichen. Von den Politikern hätte man jedoch mehr erwarten können. Doch die Politik hatte versagt. Ob sie daraus gelernt hat, daran zweifle ich. Das beste Beispiel sind die Euro-Krawalle. Auch dort hat die Polizei (nachdem sie von der Politik von der Kette gelassen wurde) mir ihrem Verhalten viele der friedlichen Demonstranten gegen sich aufgebracht (Tränengas auf einen Kinderspielplatz innerhalb des bewilligten Demonstrationsgeländes und Schutzmacht für eine rechtsradikale Demonstration mit Hitlergruss). Auf diese Art und Weise gewinnt man kaum das Vertrauen der Menschen.
Die Geschichte ist unser bester Lehrer, lernen wir daraus. Das gilt auch für Jugendliche (Drogen sind ein schlechter Ratgeber!) und Politiker, nein besonders für sie. Sonst kommt es wie Falco einst gesungen hat: "Für die Zukunft sei gesagt, sicher kommt mal wer und fragt, was die Jungwähler so denken, über Kräfte die sie lenken - schwere Wolken, Donnerschlag und wer ist da jetzt auf der Flucht"? Das wäre noch der beste Fall, denn irgendwann wird sich unsere Konsum- und Egojugend wieder auf alte Werte besinnen und wehe uns dann, wenn wir nicht dazugelernt haben. Der nächste Krawall wäre vorprogrammiert...
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