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Chronologie der Ereignisse > Zürich > 30. Mai bis 28. Juni 1980

Auseinandersetzungen um die Eröffnung eines Autonomen Jugendzentrums
Datum Ereignis
30. Mai 1980 Am Abend des 30. Mai demonstrieren - organisiert durch die ARF - rund 200 Personen vor dem Opernhaus für die Förderung alternativer Kultur in der Stadt Zürich. Sie wollen die OpernhausbesucherInnen im Vorfeld der städtischen Abstimmung über den 60-Millionen-Kredit für den geplanten Opernhausumbau auf die Bedürfnisse eines alternativen Zürcher Kulturbetriebs aufmerksam machen. Die Demonstration beginnt friedlich. 30 Polizisten in Kampfausrüstung fordern die DemonstrantInnen auf, den Platz innert 15 Minuten zu räumen. Der Platz wird jedoch nicht geräumt. Erste Scharmützel. Am späteren Abend entwickeln sich die Scharmützel zu einem eigentlichen Krawall, als die Besucher-Innen des Bob Marley-Konzerts in die Innenstadt strömen. Am Bellevue werden Barrikaden errichtet. Die Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstrierenden dauern bis in die frühen Morgenstunden.
31. Mai 1980 Die Szenen vom Vorabend wiederholen sich.
1. Juni 1980 Das zu Public Relations-Zwecken für die kommende Abstimmung vor dem Opernhaus aufgestellte Festzelt wird von rund 2000 Personen besetzt. Eine VV wird abgehalten. Die Ereignisse der Vortage werden diskutiert und neue Forderungen an die Stadtregierung gestellt: Rückzug der Strafanträge gegen alle Verhafteten; keine weitere Verwendung von CB-Tränengas und Gummigeschossen; die Teilinbetriebnahme der Roten Fabrik als Kultur- und Jugendzentrum ab Herbst 1980, was bedingt, dass dem Opernhaus die Verträge zur Benützung der Roten Fabrik als Lager- und Probelokal gekündigt werden; die leerstehende Fabrikhalle an der Limmatstrasse 18-20 als Autonomes Jugendzentrum ab 8. Juni, 12.00h. Abends setzt sich ein Demonstrationszug in Richtung Bezirksgefängnis in Bewegung, in dem sich die verhafteten Personen befinden.
3. Juni 1980 Nach einer Kundgebung der Jugendlichen auf dem Hirschenplatz Demonstration zur kantonalen Polizeikaserne und zum Bezirksgebäude.
4. Juni 1980 Stadtpräsident Widmer und Stadträtin Lieberherr nehmen - zusammen mit rund 2000 Jugendlichen - an einer VV im Volkshaus teil. Sie hören sich die Forderungen der Jugendlichen an: In Bezug auf das Geschehen in der Roten Fabrik verweisen Widmer und Lieberherr auf die IGRF als Gesprächspartnerin; in Bezug auf das geforderte Jugendzentrum zeigen sie sich gesprächsbereit - unter der Bedingung, dass keine weiteren Ausschreitungen stattfinden. Sie fordern die Versammelten auf, eine Delegation zu bilden, welche die anstehenden Verhandlungen führen soll. Die VV ist nicht bereit, auf diesen Vorschlag einzugehen, sie beharrt auf Verhandlungen mit der VV. Es wird ein Videofilm einer Gruppe von EthnologiestudentInnen über den Opernhauskrawall gezeigt.
6. Juni 1980 Der kantonale Erziehungsdirektor, Regierungsrat Gilgen, lässt den Videofilm über den Opernhauskrawall wegen politischer Agitation mit wissenschaftlichem Material konfiszieren. Eine Untersuchung über die Verantwortlichkeit der Leitung des Ethnologischen Seminars wird eingeleitet.
7. Juni 1980 Auf dem Platzspitz findet eine VV statt die Nutzung der Räumlichkeiten an der Limmatstrasse 18-20 betreffend. Die Jugendlichen sind unschlüssig, wie sie auf die Vorschläge der Stadt reagieren sollen. Man beschliesst, die neuen Lokalitäten zuerst einmal zu besichtigen. Ein Demonstrationszug von mehreren hundert Personen zieht an die Limmatstrasse 18-20 und von dort via Bezirksgebäude und Polizeikaserne zum Bellevue, wo über das weitere Vorgehen beraten wird. Die Mehrheit stimmt dem Vorschlag zu, sich in die Rote Fabrik zu begeben, um dort weiter zu diskutieren.
8. Juni 1980 Die Volksabstimmung zum Opernhaus-Kredit wird knapp angenommen. Eine weitere VV in der Roten Fabrik entscheidet, nicht auf die Bedingungen des Stadtrats einzugehen. Es werden erste Arbeitsgruppen gegründet.
9. Juni 1980 Vor der Universität Zürich findet eine Manifes-tation statt. Der sofortige Rücktritt von Regierungsrat Gilgen wird gefordert. Demonstration nach der Protestversammlung: Am Central wird der Verkehr blockiert. Man zieht weiter zum Gebäude der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ). Ein Polizeieinsatz setzt der Verhinderung der Auslieferung der NZZ ein Ende. Nach diesem Vorfall kündigt der Stadtrat eine härtere Linie an.
11. Juni 1980 Die VV im Volkshaus erklärt sich bereit, die Verhandlungen mit dem Stadtrat fortzuführen, weigert sich jedoch weiterhin, eine Delegation zu bestimmen.
12. Juni 1980 An der Universität führen 2000 StudentInnen einen Protesttag durch, in dessen Verlauf sich der Rektor an die Versammelten wendet.
14. Juni 1980 In einer auf dem Platzspitz abgehaltenen VV wird beschlossen, am 21. Juni eine Grossdemonstration zu veranstalten, um den Forderungen der Bewegten Gehör zu verschaffen. Nackt-demonstration durch die Zürcher Altstadt.
17. Juni 1980 Demonstration nach einer Protestkundgebung an der Universität zum Gebäude der Erziehungsdirektion.
18. Juni 1980 Demonstrierende versammeln sich vor dem Rathaus: Sie fordern den Gemeinderat zu einer Diskussion auf. Der Gemeinderat verweigert das Gespräch. Die Demonstrierenden harren aus, worauf die Polizei eingreift. Sachbeschädigungen in der Innenstadt.
19. Juni 1980 Ausserordentliche Delegiertenversammlung der SP Stadt Zürich. Sie protestiert gegen das Demonstrationsverbot des Stadtrats für den 21. Juni und beauftragt die Geschäftsleitung, mit dem Stadtrat und den Jugendlichen in Kontakt zu treten.
20. Juni 1980 Sogenannte «Rädelsführer» werden in Präventivhaft genommen. Die Geschäftsleitung der SP bietet dem Stadtrat an, die Trägerschaft für ein autonomes Jugendzentrum zu übernehmen. Die Arbeitsgruppen der Bewegung beschliessen, die für den 21. Juni geplante Grossdemons-tration abzusagen und stattdessen auf dem Helvetiaplatz, wo bereits ein Fest der POCH stattfinden darf, eine VV abzuhalten.
21. Juni 1980 Nachdem die rund 5000 bis 6000 auf dem Helvetiaplatz Versammelten von den Präventiv-Verhaftungen vom Freitag erfahren, beschliesst eine Mehrheit, die Diskussion um die von der SP unterbreiteten Vorschläge bezüglich Trägerschaft zu vertagen und stattdessen sofort zu demonstrieren. Auf der Quaibrücke treffen die DemonstrantInnen auf die Polizei, die sich dann aber zurückzieht, worauf die Demonstration friedlich zu Ende geht.
25. Juni 1980 Im Volkshaus findet eine VV statt. Sie beschliesst den Vermittlungsvorschlag der SP anzunehmen, unter der Bedingung, dass das Haus autonom geführt und am 28. Juni geöffnet werden kann.
27. Juni 1980 Am späten Freitagabend bereinigt der Stadtrat den Vertrag über die Trägerschaft des Versammlungszentrums an der Limmatstrasse 18-20 mit der SP: Es wird festgehalten, dass das Versammlungszentrum mit möglichst grosser Selbstverwaltung betrieben werden soll, dass die Gebrauchsleihe innerhalb einer Frist von vier Tagen gekündigt werden kann, dass die Lokalitäten voraussichtlich ab 1. April 1981 durch die Stadt für eigene Zwecke benötigt werden, dass die Gebäude renoviert werden müssen und dass die Entlehnerin sich für einen ordnungsgemässen Betrieb einsetzen muss.
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