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Chronologie der Ereignisse > Bern

Datum Ereignis
Oktober 1971 Nach langen Verhandlungen überreicht die Stadt Bern dem «Verein Berner Jugendzentrum» die Schlüssel für die zwei Gebäude des sogenannten Gaskessels, die von Jugendlichen autonom betrieben wurden. Die Stadt verzichtet auf die Miete, kommt für die Heizkosten auf und steuert einen einmaligen Beitrag von 800000 Franken an die Umbaukosten bei.
Juni 1980 Der Abbruch zweier Bauernhäuser in Bern Bümpliz stösst auf massiven Widerstand. Die Gruppe «Erhaltenswertes Bern» kritisiert die Errichtung von Wohnblocks und fordert die Freigabe der Bauernhäuser für kulturelle Zwecke.
20. Juni 1980 Nach den Opernhaus-Krawallen in Zürich wird auch in Bern ein AJZ gefordert. Rund 400 Personen versammeln sich beim Bärengraben, um das alte Tramdepot zu besetzen.
21. Juni 1980 Am Nachmittag findet eine bewilligte Demonstration für die Erhaltung der Bümpliz-Bauernhäuser statt, an der etwa 250 Personen teilnehmen. Auseinandersetzungen zwischen Jugendlichen und der Polizei nach einer unbewilligten Demonstration am Abend.
23. Juni 1980 Die Jugendlichen verlangen vom Stadtrat, bis zum 26.6. zu ihrem Forderungskatalog Stellung zu nehmen. Die Jugendbewegung beansprucht u.a. freie autonome Zentren, keinen Abbruch der Bümpliz-Bauernhäuser und die Nutzung des Tramdepots.
25. Juni 1980 Der Stadtrat stellt fest, dass er bereits an seiner Sitzung vom 18. Juni beschlossen hat, sich für die Schaffung von Quartierjugendzentren einzusetzen. Auf ultimative Forderungen einer bis heute namenlosen Gruppe könne der Gemeinderat nicht eingehen.
26. Juni 1980 Die «Aktion erhaltenswertes Bern» reicht eine Petition für den Erhalt der Bauernhäuser in Bümpliz ein, die von 6200 Personen unterschrieben wurde.
28. Juni 1980 Eine Demonstration von 200 Personen vor dem Stadttheater wird von der Polizei aufgelöst. Der harte Einsatz stösst auf Kritik.
3. Juli 1980 Rund 300 Jugendliche beteiligen sich an einem Trauerzug zum Thema «Beerdigung der Demokratie». Sie protestieren gegen den harten Polizeieinsatz vom 28. Juni.
5. Juli 1980 Die Bewegung mobilisiert für ein Fest der Unzufriedenen auf dem Bundeshausplatz. Bei einer anschliessenden Demonstration kommt es zu Strassenkämpfen mit erheblichen Sachbeschädigungen.
24. Juli 1980 Die Häuser in Bümpliz werden polizeilich geräumt und in einer Blitzaktion abgerissen, nachdem Verhandlungen über den Kauf der Häuser durch die Stadt ergebnislos blieben.
12. August 1980 Die Bewegung der Unzufriedenen fordert in einem Brief an die Polizei und Regierung «die sofortige Abschaffung der Bewilligungspflicht für politische Demonstrationen und Veranstaltungen».
16. August 1980 Friedliche Demonstration für autonome Zentren. Dabei wird den Stadtbehörden eine von 4064 Personen unterschriebene Petition mit der Forderung übergeben, die Reithalle «so schnell wie möglich als freies Kultur- und Begegnungszentrum ohne Auflagen zur Verfügung zu stellen».
28. August 1980 50-60 DemonstrantInnen werden nach heftigen Auseinandersetzungen vorübergehend festgenommen.
18. September 1980 Der Gemeinderat stimmt der Einrichtung eines AJZ in den Stallungen der Reithalle grundsätzlich zu. Weil eine einjährige Kündigungsfrist mit dem bisherigen Mieter besteht, steht die Reithalle erst ab Oktober 1981 als AJZ zur Verfügung.
19. September 1980 An einer Vollversammlung stösst der städtische Vorschlag auf Kritik, es sei für die Reithalle eine verantwortliche Trägerschaft zu bilden. Die Jugendlichen fordern stattdessen volle Autonomie.
2. Oktober 1980 Auseinandersetzungen zwischen Jugendlichen und der Polizei während des Donnerstag-abendverkaufs.
20. Oktober 1980 Strassenschlachten während eines von der Stadt finanziell unterstützten klassischen Konzerts.
29. Januar 1981 Rund 40 Leute aus politischen, sozialen und kirchlichen Kreisen formieren sich zur Gruppe «Bürger für d'Bewegig».
5. Februar 1981 Eine Kreditvorlage in der Höhe von 600000 Franken für die Renovation der Reithallen-Stallungen für das geplante AJZ wird vom Stadtrat angenommen.
21. Februar 1981 Die Taubenstrasse 12 wird besetzt und zum provisorischen Autonomen Jugendzentrum (PAJZ).
April 1981 Das PAJZ erhält einen Vertrag bis Ende September.
September 1981 Der Gemeinderat setzt eine Arbeitsgruppe ein mit dem Auftrag, Vorschläge für eine neue Nutzung des gesamten Reitschul-Areals auszuarbeiten.
1. Oktober 1981 Das PAJZ wird freiwillig verlassen. Die Bewegung nimmt die Reithalle in Beschlag.
16. Oktober 1981 Grosses Eröffnungsfest des «Autonomen Begegnungszentrums» (ABZ) in der Reithalle. Über 100 Bewegte haben am Umbau mitgearbeitet. Es bilden sich verschiedene Arbeitsgruppen wie eine Werkstattgruppe, eine Presse-, Sanitäts- und Drogengruppe.
30. März 1982 Die Behörden haben sich mit den ABZ-BetreiberInnen nicht auf ein Betriebskonzept einigen können und sich geweigert, Subventionen für das ABZ zu sprechen. Der Gemeinderat stellt ein Ultimatum: «Innert einer Woche sind dem Gemeinderat diejenigen Personen bekanntzugeben, die bereit sind, sich während den Öffnungszeiten des ABZ für einen geordneten Betrieb einzusetzen.»
14. April 1982 Das ABZ wird polizeilich geräumt. Strassenschlachten während der Nacht. Die Reithalle wird ein Jahr lang rund um die Uhr polizeilich bewacht.
26. Mai 1982 Der Gemeinderat erklärt, dass die Schliessung bezwecke, die Eskalation der Gewalt im und um das ABZ einzudämmen. Einer Wiedereröffnung der Reithalle als Jugendzentrum stehe der Gemeinderat positiv gegenüber, vorausgesetzt, die «Verantwortlichkeit der Jugendlichen und einzelnen Behörden» seien klar festgelegt.
28. März 1983 Der Gemeinderat der Stadt Bern stellt das von der verwaltungsinternen Kommission erarbeitete Nutzungskonzept für das Areal vor. Es sieht eine gedeckte Allmend mit Kultur- und Begegnungszentrum vor. Kostenpunkt der vorgesehenen Sanierung: 5800000 Franken.
18. Mai 1984 Vier besetzte Häuser an der Freiburgstrasse werden geräumt und unter Polizeischutz abgerissen. Am gleichen Tag wird das ZAFF im Berner Mattenhofquartier besetzt.
27. Juni 1984 Der Gemeinderat verabschiedet einen Projektierungskredit von 95000 Franken zur Sanierung der Reitschule.
13. September 1984 Der bürgerliche Berner Stadtrat lehnt den Projektierungskredit ab. Nach dieser Niederlage sistiert die Kommission ihre Arbeit. 1985 Im Stadtrat werden Motionen und ein Postulat zum Thema Reithalle eingegeben. Die Forderungen reichen von Totalabbruch bis Minimalsanierung.
8. Juli 1985 Der Wohn- und Kulturraum ZAFF wird geräumt. Diverse «Strafbars» und unbewilligte Konzerte, die auf die Zerstörung von billigem Wohnraum und mangelnden Kulturraum hinweisen.
31. Juli 1985 Ehemalige BewohnerInnen des ZAFF lassen sich auf dem Gaswerkareal mit Zelten und Hütten nieder. Das Freie Land Zaffaraya entsteht.
24. Februar 1986 Die Interessengemeinschaft Kulturraum Reitschule (IKuR) tritt mit einem Appell erstmals in Erscheinung. Sie fordert den Stadt- und Gemeinderat auf, die Reithalle zu sanieren und für eine vielfältige, kulturelle Nutzung freizugeben.
4. März 1986 Die IKuR stellt sich vor: Sie tritt als Gegenbewegung zu den Abbruchforderungen im Stadt-rat auf und will eine Lobby all jener aufbauen, die die Reithalle kulturell nutzen möchten.
15. März 1986 Vor der Reithalle findet das erste von der IKuR organisierte und von der Stadt erst nach langem Hin und Her bewilligte Kulturfest statt.
11. Juni 1986 Die Nationale Aktion (später: Schweizer Demokraten) lanciert eine Volksinitiative, die den Abbruch der Reithalle fordert und an deren Stelle ein Sportzentrum errichten will.
Sommer 1986 Immer mehr Leute kommen zur IKuR. Verschiedene Arbeitsgruppen entstehen, Struktur- und Organisationsmodelle werden ausgearbeitet.
31. Oktober 1986 Die letzten MieterInnen verlassen die verbliebenen Wohnungen der Reithalle.
26. Januar 1987 Die Nationale Aktion reicht ihre Volksinitiative zum Abbruch der Reithalle mit 6646 gültigen Unterschriften ein.
19. Februar 1987 Stadtratsdebatte über die hängigen Motionen und Interpellationen: Mit 35 zu 33 Stimmen entscheidet sich der Stadtrat für den Abbruch der Reithalle.
8. Mai 1987 Besetzung der Dampfzentrale: Zwei Monate zuvor gab der Gemeinderat grünes Licht für das von Kulturschaffenden eingereichte Projekt «Gaswerk für alle». Etwa 1000 Leute nehmen am Fest teil, mehrere Rockbands treten auf.
Sommer 1987 Mehrere «Strafbars» werden organisiert.
12. August 1987 Ultimatum für das Zaffaraya. Obwohl sich breite Kreise für den Verbleib des Zaffarayas auf dem Gaswerkareal eingesetzt haben, entscheidet der Gemeinderat, dass das Gelände bis zum 15. November geräumt sein müsse.
24. Oktober 1987 «Strafbar» in der Reithalle mit über tausend Leuten und dreizehn Bands. Diese Veranstaltung - erstmals seit fünf Jahren wird die Reithalle wieder kulturell genutzt - bildet den Auftakt zum heissen Herbst 1987.
25. Oktober 1987 Etwa 300 Leute nehmen an einer VV vor der von Polizeigrenadieren abgeriegelten Reithalle teil. Polizeidirektor Albisetti unterbreitet an der VV im Namen des Gemeinderates ein Gesprächsangebot mit einer Delegation der IKuR. Die VV entscheidet sich, darauf einzugehen. Danach wird mit einer Demonstration durch die Stadt den Forderungen nach einem autonomen Zentrum in der Reithalle Nachdruck verliehen. Einige Demonstrierende dringen in das Foyer des Stadttheaters ein, zerstören Teile des Mobiliars und werfen Farbbeutel. In der Stadt gehen mehrere Scheiben in die Brüche. Die Polizei beziffert den entstandenen Sachschaden auf weit über 100000 Franken und lässt die Reithalle wieder rund um die Uhr bewachen.
28. Oktober 1987 Getragen von einer breiten Solidaritätswelle fordert die IKuR vom Gemeinderat die sofortige Freigabe der Reithalle. Zusammen mit dem neu gegründeten Kulturkartell (KuK), in dem rund zwanzig Kultur-Institutionen aller Sparten vertreten sind, reicht die IKuR ein Gesuch für die Bewilligung eines Festes am kommenden Samstag ein. Unter grossem Druck bewilligt der Gemeinderat das Fest.
31. Oktober 1987 «Kulturstreik» in der Reithalle. Nahezu alle kulturellen Institutionen der Region Bern verlegen ihr Programm für eine Nacht in die Reithalle. Das Fest mit Konzerten, Theater und Filmen wird ein Erfolg: Ca. 10000 Leute verfolgen die Auftritte von dreizehn Bands, darunter Stephan Eicher, Polo Hofer, Züri West, die Goldenen Zitronen, etc.
1. November 1987 Mehrere hundert Personen fordern an einer VV die Freigabe sämtlicher Räume des Reitschulareals. Sie verlangen uneingeschränkte Selbstverwaltung und verzichten auf jegliche finanzielle Unterstützung der Stadt für den Betrieb. Die Stadt soll ihnen aber Material für die Renovierungsarbeiten zur Verfügung stellen. Die VV erklärt sich solidarisch mit dem von der Räumung bedrohten «Freien Land Zaffaraya».
2. November 1987 Krisensitzung des Gemeinderates: Der bauliche Zustand der Reithalle soll abgeklärt werden. Der Gemeinderat will Verhandlungen über ein Nutzungskonzept für die Übergangsphase aufnehmen. Über die NA-Abbruchinitiative soll bereits am 12. Juni 1988 abgestimmt werden, obwohl die Gültigkeit der Initiative juristisch umstritten ist. Die Grosse Halle wird am selben Tag in gereinigtem Zustand der Stadt übergeben. Andere Räumlichkeiten der Reithalle bleiben jedoch besetzt.
3. November 1987 Die wenigen verbliebenen Besetzerlnnen der Reithalle werden von der Polizei kontrolliert und zur Räumung aufgefordert. Einige lassen sich auf dem Vorplatz als «Aktion Hundehütte» nieder.
6. November 1987 Der Gemeinderat bietet den Zaffarayanerlnnen eine Neun-Zimmer-Wohnung auf Stadtgebiet an.
13. November 1987 Die SP und ihre beiden GemeinderätInnen Gret Haller und Alfred Neukomm distanzieren sich von der bevorstehenden polizeilichen Räumung des Zaffarayas. Zahlreiche Kulturschaffende und PolitikerInnen solidarisieren sich mit dem Hüttendorf.
14. November 1987 2000 Personen demonstrieren friedlich für die rund 20 Hütten umfassende Siedlung Zaffaraya.
15. November 1987 Das gemeinderätliche Ultimatum verstreicht. Im Zaffaraya nehmen 200 Leute an einem Aktionstag teil. Debattiert wird über Widerstandskultur, Besetzungstaktik, Quartierkämpfe und Koordination der verschiedenen Kämpfe und Bewegungen. Auf dem Gaswerkareal werden Barrikaden errichtet.
17. November 1987 Das Zaffaraya wird trotz massiven Widerstandes der BewohnerInnen und 200 SympathisantInnen polizeilich geräumt. Die errichteten Hütten werden abgebrochen. Demonstrationen und Kundgebungen während des ganzen Tages.
18. November 1987 Rund 2000 SchülerInnen von 30 öffentlichen und privaten Schulen sowie 120 Sozialarbeiter-Innen aus über 30 sozialen Institutionen treten in einen Protest-Streik.
19. November 1987 «Bern: Jetzt jeden Abend Kampf», titelt der «Blick»: 3000 Personen ziehen am Abend unbehelligt durch die Berner Innenstadt.
20. November 1987 Unter dem Druck massiver Proteste sichert der Gemeinderat der IKuR zu, dass ein Teil der Reithalle spätestens an Weihnachten provisorisch wieder geöffnet werden soll. Eine Expertise der Planungs- und Baudirektion hat ergeben, dass der bauliche Zustand des Gebäudes nicht schlecht ist und dass mit geringem finanziellem Aufwand die nötigen Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden können. Auch stellt der Gemeinderat den Leuten von der «Aktion Hundehütte» eine städtische Liegenschaft an der Freiburgstrasse zur Verfügung.
21. November 1987 Grossdemonstration mit 10000 TeilnehmerInnen, die die Freigabe des Gaswerkareals zum sofortigen Wiederaufbau des Zaffarayas und die sofortige Öffnung des gesamten Reitschulkomplexes als autonomes Kulturzentrum verlangen. Die Studios der Berner Lokalradios «ExtraBern» und «Förderband» werden besetzt. Am Abend findet ein Fest in der besetzten Reithalle statt.
25. November 1987 Der Gemeinderat beschliesst, die Räume des ehemaligen AJZ über Weihnachten zur Verfügung zu stellen - allerdings mit strikten Auflagen (befristete Öffnung, tägliche Schliessung, Jugendamt als Anlaufstelle, Mietzins). Für die provisorische Instandstellung werden 80000 Franken gesprochen.
26. November 1987 Vor dem Rathaus, wo der Stadtrat über die Räumung des Zaffarayas debattiert, versammeln sich einige hundert Personen. Zum ersten Mal wird die Reithalle-Zeitung «Megaphon» unter die Leute gebracht. DemonstrantInnen besetzen das ehemalige Contact an der Laupenstrasse 49. Ohne Vorwarnung räumt die Polizei das Haus. 102 Personen werden verhaftet, in der Folge kommt es in der Innenstadt zu den heftigsten Auseinandersetzungen seit der Räumung des Zaffarayas.
30. November 1987 Die Konzeptgruppe der IKuR akzeptiert die Auflagen des Gemeinderates zur provisorischen Reithalle-Nutzung nicht. Die Gruppe fordert Autonomie.
3. Dezember 1987 Rund 1000 DemonstrantInnen ziehen durch die Innenstadt. Während Stunden wird der Verkehr blockiert, der Abendverkauf gestört.
12. Dezember 1987 Tausendköpfiger Demonstrationszug durch die Altstadt. Laut eigenen Angaben verzeichnen die Läden im Weihnachtsverkauf wegen der Unruhen eine Umsatzeinbusse von 10-20 Prozent.
16. Dezember 1987 Die Reithalle wird über Weihnachten geöffnet. Die Stadt schliesst mit der «Aktion Hundehütte» ebenfalls einen Vertrag für die Häuser an der Freiburgstrasse ab. Die «Aktion Hundehütte» erklärt sich bereit, ihre Wohnwagen und Zelte auf dem Vorplatz zu räumen. Der Gemeinderat verspricht, ein alternatives Gelände für das Zaffaraya zu suchen.
29. Januar 1988 Der Gemeinderat legt der IKuR einen Nutzungsvertrag für die Reithalle vor.
31. Januar 1988 Die VV beschliesst den Verhandlungsabbruch mit der Stadt.
18. Februar 1988 Der Gemeinderat lehnt die NA-Abbruchinitiative ab und verzichtet entgegen früherer Ankündigungen auf einen Gegenvorschlag. Dem Gemeinderat schwebt auf dem Reitschulareal eine gedeckte Allmend mit einer «multifunktionalen Nutzung» vor.
21. März 1988 Die IKuR stellt ihr Konzept für die Nutzung der Reithalle vor. Dabei betont sie die Einheit der verschiedenen Gebäude auf dem Reitschul-areal und den nicht-kommerziellen Anspruch der Veranstaltungen. Die IKuR als Benützerin betreibt die Reithalle in Selbstverwaltung. Die Grosse Halle soll für weitere interessierte Kulturschaffende und -veranstalterlnnen zugänglich gemacht werden.
10. August 1990 Die Gespräche zwischen IKuR und Gemeinderat enden ergebnislos. Der Vertragsabschluss wird vertagt.
17. August 1990 Der Gemeinderat veröffentlicht seinen Gegenvorschlag zur NA-Initiative unter dem Titel «Gedeckte Allmend auf der Schützenmatte».
13. September 1990 Der Gegenvorschlag des Gemeinderates findet im Stadtrat keine Mehrheit.
2. Dezember 1990 Überraschend deutliches Plebiszit für die Erhaltung der Reithalle: 57,6 Prozent der Stimmenden lehnen die NA-Abbruchinitiative ab.
18. Dezember 1991 Die zweijährigen Verhandlungen und der vertragslose Zustand der Reithalle nehmen ein Ende: Nachdem die IKuR bereits am 3. November 1991 den Vertragsentwurf der Stadt leicht abgeändert unterzeichnet hat, stimmt nun auch der Gemeinderat zu. Die IKuR verpflichtet sich, die nötigen Bewilligungen und Patente einzuholen. Auch muss sie selbst für die Betriebskosten aufkommen (Strom, Gas und Wasser). Auf Gesuch der IKuR werden diese Kosten jedoch jedes Jahr ins Budget der Stadt Bern aufgenommen.
6. Dezember 1992 Das Mitte-Links-Bündnis verfügt nun in Stadt- und Gemeinderat über die Mehrheit. Die folgenden Debatten zwischen der Stadt und den BetreiberInnen der Reithalle drehen sich in erster Linie um die notwendigen Patente und Bewilligungen für den Reitschulbetrieb, die Nutzung der Grossen Halle sowie die Finanzierung der nötigsten Renovierungs- und Unterhaltsarbeiten. Immer wieder kommt es zu internen Reibereien, insbesondere zwischen der IKuR und den Vorplatzleuten, die auch der Regierung ein Dorn im Auge sind.
30. Juli 1993 Zum ersten Mal ist im Stadtberner Budget ein Betrag von 60000 Franken für die Reithalle aufgeführt. Damit werden die Kosten für Strom, Gas, Wasser und Kehrichtabfuhr bezahlt.
31. Mai 1995 Die Polizei räumt den Vorplatz und die Grosse Halle.
2. September 1996 Nachdem sich die Vorplatzleute im Vorraum eingerichtet haben und sich die Konflikte nicht entschärfen, wird der Vorraum geräumt. Mitarbeiter des Strasseninspektorats füllen den Vorraum anschliessend mit 1000 m3 Beton, Sand und Kies und betonieren Fenster und Türen zu.


Recherchen: David Böhner und Michael Fankhauser
Quelle:
David Böhner und Michael Fankhauser: Was bisher geschah. In: Hansdampf (Hrsg.). Reithalle Bern. Autonomie und Kultur im Zentrum. Bern und Zürich 1998.